Spotanalyse

Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex stimmt auf schwierigen Winter ein

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Das ifo-Geschäftsklima gibt im November von 92.5 auf 90.7 nach. Die aktuelle Lageeinschätzung fällt von 90.4 auf 90. Der weitere Geschäftsverlauf wird im November erneut schlechter eingeschätzt. Der entsprechende Index fällt von 94.7 auf 91.5.

Es ist ein Rückgang mit Ansage. Der ifo-Geschäftsklimaindex schlug sich in den vergangenen Monaten im Vergleich zu anderen Konjunkturfrühindikatoren robust. Doch die zweite Corona-Welle macht nun auch dem wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer zu schaffen. Nach einem nur leichten Rücksetzer im Oktober geht es nun im November spürbarer nach unten. Der weitere Geschäftsverlauf wird im November deutlich negativer eingeschätzt als noch im Oktober. In den Führungsetagen der deutschen Unternehmen fürchtet man sich vor schwierigen Wintermonaten.

Wenig erstaunlich ist, dass vor allem die Dienstleistungsbranche betrüblich auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung blickt. Das vom ifo-Institut separat erhobene Barometer für den Service-Sektor gibt im November weiter deutlich nach und ist nun auch wieder mit einem negativen Vorzeichen versehen. Das verarbeitende Gewerbe schlägt sich weiterhin gut. Der entsprechende Index kann im November weiter zulegen. Die Zweiteilung der Wirtschaft wird noch offensichtlicher.

Die Wintermonate werden schwierig. Das Infektionsgeschehen drückt der wirtschaftlichen Entwicklung einmal mehr den Stempel auf. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wird im vierten Quartal in den Rückwärtsgang schalten. Die kräftige Erholung des dritten Quartals findet also zum Jahresende leider keine Fortsetzung. Der wirtschaftliche Aufholprozess hatte nur ein kurzes Gastspiel. Der zu erwartende BIP-Rücksetzer im vierten Quartal wird aber bei weitem nicht an den epochalen Einbruch des zweiten Quartals heranreichen. Neben den staatlichen Hilfsmassnahmen sorgt auch die Industrie für Kompensation.

Da ist es wohl am besten man betrachtet die Situation nüchtern: Solange kein Infektionsschutz breiter Bevölkerungsgruppen besteht, schwingt das Virus den Taktstock. Doch die gute Nachricht ist, dass zumindest für den weiteren Jahresverlauf 2021 mit einer nachhaltigen Konjunkturerholung zu rechnen ist. Die Verteilung eines Impfstoffes ebnet den Weg hierzu. Eine wirtschaftliche Erholung setzt nun einmal voraus, dass in einem ersten Schritt den gesundheitlichen Risiken adäquat begegnet wird.

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