Spotanalyse

Deutschland: Industrieproduktion enttäuscht im August

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 3 Min
Die deutsche Industrieproduktion gibt im August um 0.2 % gegenüber dem Vormonat nach. Das ist der erste Rückgang nach drei positiven Zuwachsraten in Folge. Gegenüber dem Vorjahresmonat steht ein Minus von 9.6 % zu Buche.

Gemessen an der Konsensprognose ist die deutsche Industrieproduktion für den August eine herbe Enttäuschung. Der erste Erholungsschwung ist bereits vorüber. Nach kräftigen Nachholeffekten stellt sich nun wieder Tristesse ein. Dies gilt vor allem für die deutsche Automobilindustrie: Gerade die grösste Branche des verarbeitenden Gewerbes, die Automobilindustrie, kämpfte im August mit einer rückläufigen Produktion. Bei den deutschen Autoherstellern ist die Produktion im August um 12.5 % zum Vormonat gesunken. Sie liegt damit knapp 25 % unter dem Wert vom Februar 2020.

Doch die rückläufigen Produktionszahlen für den August werden nichts daran ändern, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal einen rekordhohen Zuwachs einheimsen wird. Nach den satten Zuwächsen der Vormonate liegt die Produktion im Durschnitt des dritten Quartals deutlich über demjenigen des zweiten Quartals.

Es sind aber weniger die Produktionszahlen des Sommers, die uns Sorgen bereiten, sondern vielmehr diejenigen des Herbstes. In den Frühjahrsmonaten ist die deutsche Wirtschaft aufgrund der Corona-Eindämmungsmassnahmen in ein tiefes Loch gefallen. Im Sommer war nun alles auf Erholung programmiert. Aufträge, die auf Eis gelegen haben, wurden abgearbeitet. Nachholeffekte spielten also zuletzt eine wichtige Rolle. Wie es um die deutsche Volkswirtschaft tatsächlich steht, offenbart sich nun im Herbst. Die schon vor der Corona-Krise bestandenen strukturellen Wachstumsschwierigkeiten graben sich nun wieder nach oben. Die Umstellung auf die Elektroautomobilität stellt die Industrie vor einer der grössten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Doch auch die Corona-Krise selbst wird uns noch geraume Zeit beschäftigen. Eine zweite Welle fegt derzeit über Europa, was noch einige gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringen wird. Mit Donald Trump und Boris Johnson stehen noch zwei unkalkulierbare Persönlichkeiten im Rampenlicht. Donald Trump fährt vor der US-Präsidentschaftswahl nochmals harte Bandagen auf und blockiert die dringend notwendige Verabschiedung eines zweiten Hilfspaketes. Ohne die staatlichen Zuwendungen droht die US-Wirtschaft erneut ins Stocken zu geraten. Für die deutschen Exporteure sind das keine guten Nachrichten. Boris Johnson kämpft derweil mit Härte und Unnachgiebigkeit für einen guten Deal mit der EU, in seinem Sinne wohlgemerkt. Wir stehen also schon inmitten eines heissen Herbstes. Die deutsche Industrie steht noch vor so mancher Belastungsprobe.

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