Spotanalyse

Die zweite Corona-Welle erfasst die deutsche Wirtschaft

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die ZEW-Konjunkturerwartungen geben im Oktober von 77.4 auf 56.1 deutlich nach. Der Rückgang fällt stärker aus, als es die Konsensprognose vorsah.

Die an Intensität gewinnende zweite Welle trübt nun auch den wirtschaftlichen Ausblick ein. Die vom ZEW befragten Finanzmarktanalysten schätzen die wirtschaftliche Zukunft im Vergleich zum Vormonat als weniger gut ein. Das in Deutschland aber insbesondere in den europäischen Nachbarländern zunehmende Infektionsgeschehen schreckt die Auguren auf.

Aber auch die Unsicherheit, wie es nach der US-Präsidentschaftswahl weitergeht, dürfte zumindest am Rande eine Rolle gespielt haben. Redet der amtierende US-Präsident Donald Trump bei einem knappen Wahlsieg des Herausforderers Joe Bidens von «Wahlbetrug», könnte es zu Unruhen und einer längeren Hängepartie kommen. Dieses Szenario ist durchaus denkbar und führt bei den Finanzmarktanalysten zu Sorgenfalten.

Wir dürfen uns nichts vormachen, die steigende Anzahl von Neuinfektionen wird wirtschaftliche Folgen haben. Dafür bedarf es nicht mal eines Lockdowns. Das Konsumentenverhalten ändert sich. Restaurantbesuche werden vermieden, Einzelhandelsgeschäft weniger häufig aufgesucht und der Wochenendausflug ins Museum verschoben. Es muss nicht verwundern, dass in solch einem Umfeld auch die Investitionslaune der Unternehmen nicht besonders ausgeprägt ist.

Es wird immer deutlicher, dass die Herbst- und Wintermonate für die deutsche Wirtschaft schwierig werden. Nach der fulminanten wirtschaftlichen Aufholjagd im dritten Quartal herrscht nun vielerorts Tristesse. Die während des Lockdowns liegen gebliebenen Aufträge sind abgearbeitet, jetzt braucht es dringend neue, um die Produktion zu halten. Wirtschaftlich anspruchsvolle Monate liegen vor der deutschen Wirtschaft.

Das Risiko eines wirtschaftlichen Rückschlags zum Jahresende wächst. Dies soll nicht heissen, dass ein massiver Wachstumseinbruch bevorsteht, aber ein leicht rückläufiges Bruttoinlandsprodukt ist nicht auszuschliessen.

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