Spotanalyse

EZB: Noch mehr Wertpapierkäufe

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die Europäische Zentralbank (EZB) brennt zum Jahresende nochmals ein Feuerwerk an Massnahmen ab. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird damit gewissermassen zur geldpolitischen Pyrotechnikerin. Während die Leitzinsen unangetastet bleiben, werden unter anderem die Wertpapierkaufprogramme aufgestockt.
  •  Die EZB erweitert das Pandemie-Notfallkaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) um EUR 500 Mrd. auf insgesamt EUR 1850 Mrd. Ausserdem verlängerte sich der Zeithorizont für die Nettoankäufe im Rahmen des PEPP bis mindestens Ende März 2022, also um neun Monate.  
  • Zudem wird die Wiederanlage von Tilgungsbeträgen der im Rahmen des PEPP erworbenen Wertpapiere bei Fälligkeit mindestens bis Ende 2023 zu verlängern.
  • Darüber hinaus werden die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (GLRG III) nachadjustiert. Es gibt drei zusätzliche Geschäfte. 
  • Die Lockerung der Sicherheitskriterien werden bis Juni 2022 verlängert.
  • 2021 werden vier zusätzliche längerfristige Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäfte (Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations – PELTROs) angeboten. 
  • Die Nettokäufe im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme – APP) werden in einem monatlichen Umfang von EUR 20 Mrd. fortgesetzt.
  • Zusätzlich werden die Eurosystem Repo Facility for Central Banks (EUREP) sowie alle befristeten Swap- und Repo-Linien mit Zentralbanken ausserhalb des Euroraums 

Lagarde führte während der Medienkonferenz aus, dass diejenigen Instrumente angepasst wurden, die sich in der Vergangenheit als effizient erwiesen hätten. Darüber hinaus sei die Entscheidung einer Verlängerung des Pandemie-Notfallkaufprogramm um neun Monate basierend auf der erwarteten Virusentwicklung und dessen Bekämpfung getroffen worden. Und natürlich durfte auch eine verbale Intervention nicht fehlen: Die Entwicklung des Euro werde genau beobachtet, sagte Lagarde.

Die EZB publizierte zusätzlich ihre makroökonomischen Projektionen. Für das kommende Jahr wird mit einem Zuwachs des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 3.9 % gerechnet. Die Inflationsrate liegt nach Einschätzung der EZB-Volkswirte bei 1 %.

Die EZB zollt also der zweiten Corona-Welle Tribut. Die Eindämmungsmassnahmen im Kampf gegen Covid-19 hinterlassen in der Eurozone schwere wirtschaftliche Schäden. Die konjunkturelle Erholung während der Sommermonate währte nicht lange. Im Schlussquartal 2020 sieht sich der gemeinsame Währungsraum einem neuerlichen BIP-Rückgang gegenüber.

Für das erste Quartal des neuen Jahres ist kaum mit einer Besserung zu rechnen. Da die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland auf hohem Niveau verharrt und der Lockdown-Light damit nicht den gewünschten positiven Effekt zeigt, wird es in der grössten Volkswirtschaft der Eurozone vermutlich spätestens zu Jahresbeginn erneut scharfe Eindämmungsmassnahmen geben. Der Start in das Jahr 2021 wird damit für die gesamte Eurozone äusserst holprig ausfallen.

Die EZB handelt, um ihren Teil zur Krisenbewältigung beizusteuern. Das Ende der Fahnenstange ist dabei noch nicht erreicht. Christine Lagarde wird auch im kommenden Jahr geldpolitischen Beistand leisten.

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