Spotanalyse

VP Bank Spotanalyse Eurozone: Überraschend positiver Einkaufsmanagerindex

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 3 Min
Weihnachtsgeschäft und Corona-Erfolge in Frankreich hellen die Stimmung auf

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone steigt im Dezember von 53.8 auf 55.5. Die Dienstleistungsbranche profitiert vom Weihnachtsgeschäft und von der erfolgreichen Eindämmung der Neuinfektionen in Frankreich. Der entsprechende Index erhöht sich von 41.7 auf 47.3. Der aus beiden zusammengefasste vorläufige Composite-Einkaufsmanagerindex klettert von 45.3 auf 49.8.

 

Das ist eine Riesenüberraschung – wohlgemerkt eine positive. Das Dienstleistungsgewerbe der Eurozone blickt im Dezember verglichen mit November wesentlich optimistischer in die Zukunft. Das mag in Anbetracht der Lockdowns überraschen, doch bei genauerer Betrachtung wird daraus durchaus ein Schuh.

Frankreich blickt auf deutliche Erfolge im Kampf gegen die zweite Corona-Welle. Die Zahl der Neuinfektionen konnte deutlich eingedämmt werden. Der Dienstleistungssektor wittert daher wieder Morgenluft, der französische Einkaufsmanagerindex schiesst von 38.8 auf 49.2 in die Höhe.

Selbst in Deutschland blickt das Dienstleistungsgewerbe im Dezember optimistischer auf die kommenden Monate. Allerdings fiel die Erhebungsperiode noch in die Zeit des Lockdown-Light. Der deutsche Einzelhandel freute sich bis zum gestrigen Dienstag noch über ein gutes Weihnachtsgeschäft. Der Anstieg des deutschen Werts für den Dienstleistungssektor muss unter diesem Blickwinkel also keineswegs verwundern.

Auch die Konjunkturerhebung für das verarbeitende Gewerbe überrascht auf der positiven Seite. Es schlägt sich in Anbetracht der widrigen Umstände weiterhin hervorragend. Europa – insbesondere Deutschland – profitiert derzeit von der gut laufenden chinesischen Wirtschaft. Läuft es dort gut, sind die Risiken eines jähen Absturzes in der Industrie gering.

Das Damoklesschwert bleibt allerdings ein harter Brexit. Würde sich Grossbritannien ohne Folgeabkommen von der EU verabschieden, käme die Industrie in den kommenden Monaten stärker unter Druck. 2019 exportierten EU-Unternehmen Waren im Gegenwert von EUR 318 Mrd. nach Grossbritannien. Nach China gingen Produkte im Gegenwert von EUR 198 Mrd. Wenn also China wichtig für die EU ist, ist es Grossbritannien noch viel mehr. Die gute Nachricht ist allerdings, dass sich nach aktuellem Stand eine Kompromisslinie zwischen London und Brüssel abzeichnet.

Die Konjunktur schlägt sich im vierten Quartal besser als erwartet. Dies soll nun nicht heissen, dass die Eurozone an einer Rezession vorbeikommt. Allerdings dürfte der Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) weniger deutlich ausfallen als ursprünglich zu erwarten war.

Der deutsche Lockdown wird zwar konjunkturelle Bremsspuren im laufenden Quartal und auch im ersten Quartal 2021 hinterlassen, doch der BIP-Rückgang wird bei weitem nicht die Ausmasse des Zeitraums von April bis Juni annehmen. Die grösste Hoffnung ruht derweil auf einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung im zweiten Halbjahr 2021. Die Verteilung eines Covid-19-Impfstoffes ebnet den Weg zurück zu einem normalen Leben.

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