Spotanalyse

China: Zwei Lesarten des BIP-Wachstums

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die zwei Interpretationen zur Wirtschaftsentwicklung.

Man hat die Wahl. Die Meldung kann lauten: Das chinesische Bruttoinlandprodukt (BIP) legt im ersten Quartal um 18.3 % gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Es ist damit der höchste Zuwachs seit Beginn der BIP-Aufzeichnungen vor 30 Jahren.

Die andere Lesart ist: Die wirtschaftliche Erholung kühlt sich ab. Im direkten Quartalsvergleich legt das BIP lediglich um 0.6 % zu. Das ist der schwächste Zuwachs seit dem 2. Quartal 2020 und merklich weniger als im Schlussquartal 2020, als ein Quartalswachstum von 3.2 % zu Buche stand.

Die zweite Version, also die Fokussierung auf den dürftigen Quartalszuwachs, sollte bei der Interpretation der BIP-Zahlen im Mittelpunkt stehen. Das rekordhohe Plus gegenüber dem Vorjahresquartal ist vor allem Ausdruck eines Basiseffekts. Anders als in Europa oder den USA hat das Corona-Virus seine massiven wirtschaftlichen Spuren im ersten Quartal des Jahres 2020 hinterlassen. Europa und die USA kamen erst im zweiten Quartal unter die Räder.

Das langsamere Erholungstempo in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ist unter anderem regionalen Corona-Ausbrüchen zuzuschreiben. Hierdurch wurden Eindämmungsmassnahmen fällig, die in China bekanntlich wenig zimperlich ausfallen. Sie belasteten indes den Dienstleistungssektor. Aber noch etwas zählt: Die restriktivere Kreditvergabe. Das Geldmengenwachstum war im ersten Quartal deutlich geringer als in den Vorquartalen.

China hat sich mit seiner erfolgreichen Zero-Covid-Strategie mit dem Virus arrangiert. Die wirtschaftliche Erholung hängt weniger stark vom Impffortschritt ab als etwa in den USA oder in Europa. Das vom Nationalen Volkskongress ausgegebene Wachstumsziel von über 6 % für das laufende Jahr wird deshalb leicht zu erreichen sein. Die niedrige Basis des Vorjahres schafft eine gute Voraussetzung für einen BIP-Zuwachs von 8%.

Hauptreiber des chinesischen Wachstums waren die Exporte, denn China war ein Krisengewinner. Die Homeoffice-bedingte Sondernachfrage nach Computern, Bildschirmen, Tastaturen und Computermäusen hat der chinesischen Exportwirtschaft während der Krise einen kräftigen Schub gegeben. Das Exportgeschäft mit Masken tat sein Übriges.

Gehen die USA und Europa zur Normalität über, gehören die rekordhohen chinesischen Exportzuwächse der Vergangenheit an. Abkühlende chinesische Exporte, werden also ein Zeichen dafür sein, dass die Pandemie vorüber ist. Chinas Wirtschaft wird im laufenden Jahr aufgrund des Basiseffekts mit einem hohen Wachstum auf sich aufmerksam machen, doch die Wachstumsdynamik wird zum Mittelmass zurückkehren.

Positiv ist dabei zu werten, dass das chinesische Wachstum damit ausgeglichener wird. Der stärker als erwartete Zuwachs der Einzelhandelsumsätze um 34.2 % im März gegenüber dem Vorjahresmonat zeigt, dass nun der inländische Konsum zur treibenden Kraft wird.

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