Spotanalyse

Deutschland: BIP für das 4. Quartal 2020 - immerhin eine schwarze Null

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Im Jahr 2020 schrumpft die deutsche Wirtschaft um 5 %.

Die Frage lautet: Ist die Wachstumsrate für das Schlussquartal 2020 nun eine gute oder eine schlechte Zahl? In absoluter Betrachtung kann die „schwarze Null“ nicht zufriedenstellend sein. Wenn man allerdings den neuerlichen Lockdown berücksichtigt, kam Deutschland wiederum relativ gut weg. In Frankreich schrumpfte das BIP im 4. Quartal um 1.3 %. Das deutsche Nachbarland würde sich über eine schwarze Null schon glücklich schätzen. Das deutsche Wachstum im Schlussquartal darf deshalb gerne positiv gewertet werden.

Das gesamtwirtschaftliche Wachstum reflektiert allerdings nur unzureichend den tatsächlichen Leidensdruck in einzelnen Branchen. Das Hotel- und Gaststättengewerbe, der Freizeit- und Kulturbereich litten deutlich. Die Industrie sorgte für Kompensation. Die Auslandsnachfrage war die Rettung für die deutsche Wirtschaft. Vor allem die gutlaufende chinesische Wirtschaft versorgte das verarbeitende Gewerbe mit neuen Aufträgen. China half auch der deutschen Automobilwirtschaft über ein schwieriges Quartal hinweg. Aber auch die gutlaufende Baukonjunktur verhilft dem deutschen Wachstum über die Nullmarke.

Das laufende Jahr verspricht zwar Besserung, doch zunächst bleibt es schwierig. Aufgrund der Virusmutation und den Impfstoffverzögerungen ist mit einer raschen Lockerung der Eindämmungsmassnahmen nicht zu rechnen. Das Virus wird der deutschen Wirtschaft im ersten und vermutlich auch noch in Teilen des zweiten Quartals kräftig den Stempel aufdrücken. Zwar wird es im zweiten Halbjahr Nachholeffekte geben, doch diese sind limitiert. So lässt sich der ausgebliebene Restaurant- oder Frisörbesuch nur bedingt nachholen. Auch die schwer gebeutelte Tourismusindustrie kann die Corona-Scharte nicht mehr schliessen. Die begrenzte Anzahl von Urlaubstagen macht ein vollständiges Aufholen der verloren gegangenen Umsätze nicht möglich.

Ein gesundes Mass an Optimismus ist mit Blick auf das zweite Halbjahr richtig adressiert. Vor allem der robuste Arbeitsmarkt unterstützt diesen Ausblick. Saisonbereinigt hat sich die Beschäftigung im Januar erhöht. Die Arbeitslosenquote fiel im Januar von 6.1 % auf 6.0 % (saisonbereinigt). Gerade die Tatsache, dass der deutsche Arbeitsmarkt bislang mit einem blauen Auge davonkam, stimmt zuversichtlich. Aufgrund der nur begrenzten Nachholeffekte im Dienstleistungssektor sollte bei allem Optimismus nicht allzu viel Euphorie mitschwingen.

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