Spotanalyse

Deutschland: Exporte setzen ihre Positivserie fort

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die deutschen Exporte legen im Dezember um 0.1 % gegenüber dem Vormonat nach.

Die Exporte können ihre Positivserie ausbauen. Achtmal in Folge lagen die Exporte nun im Plus. Allerdings fällt der Zuwachs im Dezember hauchdünn aus. Das Wachstum der Ausfuhren fällt also unter die Rubrik der „schwarzen Null“. Damit fügen sich die Aussenhandelsdaten ins Bild der durchmischten Dezember-Zahlen für die deutsche Industrie ein. Bereits die Auftragseingänge, als auch die Industrieproduktion, zeigten sich nicht mehr so glanzvoll wie in den Monaten zuvor. Fasst man die Auftragseingänge, die Industrieproduktion und die Exportdaten für den Dezember zusammen, gilt: Die Daten zum Jahresende 2020 stimmen uns auf ein schwieriges erstes Quartal 2021 ein. Im Schlussquartal 2020 schafft es die Industrie die Verluste im Dienstleistungssektor zu kompensieren, doch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres wird dies nicht mehr gelingen. Das Bruttoinlandsprodukt wird deshalb in den ersten drei Monaten des Jahres rückläufig sein.

Neben der leicht zyklischen Schwäche gesellen sich im ersten Quartal noch weitere Sonderfaktoren hinzu. Halbleiter sind derzeit knapp und führen zu Produktionsschwierigkeiten, was schliesslich auch die Exporte belasten wird. Gleichzeitig führen knappe Container-Kapazitäten auf den Weltmeeren für Lieferschwierigkeiten. Die hochvernetzten globalen Produktionsketten sind auf einen reibungslosen Warenfluss angewiesen. Letzterer ist derzeit gestört, was gesamtwirtschaftliche Auswirkungen hat. Die deutsche Exportwirtschaft muss also im ersten Quartal auch noch logistische Hürden überwinden.

Im Gesamtjahr 2020 lagen die Exporte zwar um massive 9.3 % unter dem Jahr 2019, doch die Exporte stiegen im Dezember um 2.7 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Aussenhandelssaldo hingegen ist nicht weit von seinem Vorjahreswert entfernt. Die Handelsbilanz schloss im Dezember 2020 mit einem Überschuss von 14.8 Mrd. Euro ab. Im Dezember 2019 hatte der Saldo 15.1 betragen. Die Gesamtbilanz des Jahres 2020 lässt sich also durchaus sehen.

Oder um es anders zu formulieren: Im März des Vorjahres war kaum davon auszugehen, dass in der deutschen Industrie solch eine rasche Erholung auf dem Programm stehen würde. Glanzpunkt sind dabei sicherlich die Auftragseingänge, die im Dezember 6.4 % über dem Vorjahr lagen. Da der Auftragszuwachs zu einem hohen Grad chinesischen Unternehmen zu verdanken ist, werden die Exporte bei allen gegenwärtigen Widrigkeiten grundsätzlich in den kommenden Wochen unterstützt bleiben. Die Bestellungen des Vorjahres sind der Export von heute.  

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