Spotanalyse

Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex - Konjunkturhoch durchschritten

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 2 Min
Der ifo-Geschäftsklimaindex fällt im Juli von 101.7 auf 100.8.

Die deutsche Wirtschaft hat das Wachstumshoch durchschritten. Die Wachstumsraten sind derzeit auf luftigen Höhen, doch der ifo-Geschäftsklimaindex blickt bereits auf die kommenden Monate. Im Herbst wird die deutsche Wirtschaft vom Aufholmodus in den Normalmodus langsamer werden. Darauf bereitet uns der ifo-Geschäftsklimaindex vor.
 
Auch die Ausbreitung der Delta-Variante könnte den Ausblick für den weiteren Geschäftsverlauf eingetrübt haben. Einmal mehr gilt: Der Pandemieverlauf ist weiterhin ein Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Trotz hoher Impfquoten ist die Herdenimmunität ein grosses Stück weit entfernt und in vielen Schwellenländern kann die Delta-Variante aufgrund fehlender Vakzine ungehindert um sich greifen. Es wird noch längere Zeit brauchen, ehe das Virusgeschehen als Risikofaktor entfällt.
 
Doch auch die Lieferschwierigkeiten von Vorprodukten und Rohstoffen belasten den Geschäftsausblick. Die Industrieproduktion stockt trotz gut gefüllter Auftragsbücher. Die Lieferschwierigkeiten haben nun auch negative Rückkopplungseffekte auf den Auftragseingang. Verteuern sich Produkte und können Autos und Maschinen nicht auf absehbare Zeit geliefert werden, verzichtet so manches Unternehmen aber auch mancher Privathaushalt auf eine Bestellung. Doch so sehr der Mangel die Industrie derzeit belastet, der Situation kann zumindest auch ein positiver Aspekt abgewonnen werden: Die Wachstumszahlen werden dadurch geglättet. Lösen sich die Lieferschwierigkeiten zum Jahresende, kommt es in der Industrie zu Nachholeffekten – just in dem Moment, bei dem der Dienstleistungssektor wieder einen Gang zurückschalten dürfte.
 
Die deutsche Wirtschaft wird auch im dritten Quartal kräftig wachsen. Damit wird die Corona-Scharte weiter ausgewetzt. Das Bruttoinlandsprodukt strebt seinem Vorkrisenniveau entgegen. Doch im Spätherbst geht es zurück zur Normalität. Das zeigt der ifo-Geschäftsklimaindex eindrücklich. Die Nachholeffekte nähern sich dann ihrem Ende. Selbst der vom ifo-Institut ausgewiesene Index für den Dienstleistungsbereich fällt im Juli etwas. Dies legt Zeugnis dafür ab, dass selbst im Service-Sektor der Zenit vorläufig überschritten ist.

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