Spotanalyse

Deutschland: Inflationsrate steigt im April auf ein zweijähriges Hoch

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die Inflationsrate legt im April von 1.7 % auf 2.0 % zu.

Vor allem die im Jahresvergleich deutlich höheren Energiepreise schlagen jetzt ordentlich ins Kontor. Es sind derzeit also vor allem Basiseffekte, welche die Teuerungsraten auf höhere Niveaus hieven. Der Anstieg über die vergangenen Monate hinweg fällt in der Summe sehr üppig aus. Im Dezember lag die Inflationsrate noch bei -0.3 %. Gemessen daran liegt die Inflationsrate jetzt 2.3 Prozentpunkte höher.

Der Teuerungsanstieg sollte in den Herbstmonaten sein Ende finden. Ein Fragezeichen steht allerdings noch hinter dem Erzeugerpreisanstieg und wie sich dieser auf die Inflationsrate auswirkt. Die deutschen Erzeugerpreise lagen im März auf einem knapp zehnjährigen Hoch. Das Ende der Fahnenstange ist dabei noch nicht erreicht. Die Knappheitsproblematik heizt den Produzentenpreisen weiter ein.

Nicht nur im Bereich von Halbleitern mangelt es an Nachschub. Mittlerweile berichten Unternehmen, dass Plastik, Sperrholzplatten und Styropor knapp werden. Selbst Silikon scheint in grösserem Umfang kaum noch lieferbar zu sein. Unternehmen sind also mit höheren Einkaufspreisen konfrontiert. Ob, und in welchem Umfang diese an den Endverbraucher weitergegeben werden, lässt sich bislang noch nicht vollständig abschätzen. Produzentenpreise sind aber grundsätzlich wesentlich volatiler als Konsumentenpreise. Sollten sich die gestiegenen Einstandspreise für Unternehmen in höheren Inflationsraten niederschlagen, wird dies zumindest noch einige Zeit dauern. Die Knappheit an industriellen Vorprodukten stellt deshalb kurzfristig keine unmittelbare Gefahr für die Konsumentenpreise dar.

Sollte die Inflationsrate aufgrund der Knappheit vieler Produkte stärker oder länger steigen, wäre dies für die EZB ungünstig. Grundsätzlich wünschen sich die europäischen Währungshüter eine höhere Teuerungsrate – allerdings hervorgerufen durch eine stärkere Endnachfrage. Eine Angebotsverknappung zieht wirtschaftliche Risiken nach sich, weil dadurch die Produktion ins Stocken gerät. Gerade deshalb werden die europäischen Währungshüter auf einen durch eine Angebotsverknappung hervorgerufenen Anstieg der Inflationsrate nicht mit Zinserhöhungen reagieren können. Doch noch ist dies lediglich ein Risikoszenario. Kurzfristig kann EZB-Chefin Christine Lagarde gelassen durch den Inflationsanstieg hindurchschauen.

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