Spotanalyse

Eurozone: Corona lässt Schuldenstand deutlich steigen

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die Staatsverschuldung in der Eurozone steigt von 83.9 % des BIP auf 98 % des BIP im Jahr 2020. In Italien liegt nun der Schuldenstand bei monströsen 155.8 %.

Die Corona-Pandemie hinterlässt ihre brutalen Spuren nicht nur beim gesundheitlichen Zustand von uns Menschen, sondern auch beim Schuldenstand. Die Staaten müssen ordentlich in die Tasche greifen, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern. Hilfskredite, Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen schlagen ins Kontor. Das Staatsdefizit des gemeinsamen Währungsraumes lag im Jahr 2020 bei 7.2 % des BIP.

Die Details der Daten zeigen aber auch, wie stark das Gefälle innerhalb des Währungsraumes ist. In Italien steigt der Schuldenstand von 134.6 % auf gewaltige 155.8 % des BIP im Jahr 2020. Noch dramatischer sieht die Situation in Griechenland aus. Dort liegt der Schuldenstand bei 205.6 % des BIP. Deutschland kommt gemessen daran fast schon mit einem blauen Auge davon. In der Bundesrepublik steigt der Schuldenstand von 59.7 % auf 69.8 % des BIP. Deutschland profitiert erheblich von den Negativzinsen. Auch die gutlaufende Industrieproduktion im zweiten Halbjahr hat die Steuermindereinnahmen weniger stark ausfallen lassen als zu befürchten war. Zwar ist Deutschland damit nicht mehr Maastricht-konform, doch wenn man mal ehrlich ist: Wen interessiert in der aktuellen Situation schon gross Maastricht?

Kinder und Enkelkinder werden mit den Schulden noch zu kämpfen haben. Mittel- bis langfristig fliesst wohl an Steuererhöhungen kein Weg vorbei. Aus den Schulden herauszuwachsen wird aufgrund struktureller Probleme nicht gelingen. Es bedarf tiefgreifender Strukturreformen in einigen Ländern der Eurozone, um das Wachstumstempo zu beschleunigen. Im Sinne der Generationengerechtigkeit müsste Europa jetzt Reformen forcieren. Die neue deutsche Bundesregierung bekommt hierfür nach den Wahlen im September eine Chance. Die Bürger setzen auf Veränderungen. Es ist Zeit zu handeln.

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