Spotanalyse

Eurozone: Einkaufsmanagerindex für den Februar - Industrie in bester Laune

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone steigt im Februar überraschend deutlich von 54.8 auf 57.7. Der Index für den Dienstleistungssektor fällt hingegen von 45.4 auf 44.7. Der aus beiden zusammengefasste vorläufige Composite-Einkaufsmanagerindex steigt damit von 47.8 auf 48.1.

Konjunkturell ist die Eurozone in einer Grauzone. Das optimistische Denken in der Industrie wird von einer gedrückten Stimmung im Dienstleistungssektor überschattet. Die Eindämmungsmassnahmen belasten den Einzelhandel nach wie vor schwer.

Das verarbeitende Gewerbe der Eurozone legt im Februar derweil einen Zahn zu. Dies ist auch einer überraschend deutlich besseren Stimmung in der französischen Industrie zu verdanken. In Anbetracht der begonnenen Impfungen herrscht Freude über die besseren konjunkturellen Aussichten für das zweite Halbjahr. Der klare Anstieg des Industriebarometers überrascht vor allem deshalb, weil andererseits das Wehklagen über fehlende elektronische Komponenten gross ist. Vor allem der Nachschub von Halbleitern stockt. Die Industrie scheint dies aber mehr als temporären Belastungsfaktor anzusehen. Die Freude über eine robuste ausländische Nachfrage nach europäischen Autos und Maschinen lässt den Schmerz fehlender Komponenten schnell vergessen. Dies scheint insbesondere auch für das deutsche verarbeitende Gewerbe zu gelten, das ebenfalls mit einer überraschend klaren Verbesserung der Stimmung auf sich aufmerksam macht.

Die Industrie ist aktuell die zentrale Stütze der europäischen Wirtschaft. Verluste im Dienstleistungssektor können damit grossteils ausgeglichen werden. Die konjunkturelle Belastung des Virus wiegt deshalb nicht so schwer wie etwa in den Frühjahrsmonaten des zurückliegenden Jahres.

Betrüblich bleibt derweil die Stimmung im Dienstleistungssektor. Die Durststrecke wird länger und länger. Die Ausbreitung der hochinfektiösen britischen Mutante könnte einer baldigen Öffnung des Einzelhandels einen Strich durch die Rechnung machen. Von optimistischem Zukunftsdenken kann deshalb in den europäischen Innenstädten keine Rede sein. Die schleppend verlaufende Impfkampagne innerhalb der EU ist dabei sicherlich auch ein Belastungsfaktor. Es fehlt derzeit an der nötigen Perspektive für bessere Geschäfte in den Sommermonaten.

Die unterschiedliche Entwicklung des Dienstleistungssektors und der Industrie hält an. Die gute Nachricht dabei ist, dass es der Industrie im ersten Quartal gelingen wird, weite Teile der Verluste im Dienstleistungssektor zu kompensieren. Wie gross die Kompensation sein wird, zeigt die nächste Runde an Daten zu den Auftragseingängen im verarbeitenden Gewerbe.

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