Spotanalyse

Eurozone: Inflationsanstieg legt Verschnaufpause ein

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 2 Min
Die Inflationsrate in der Eurozone fällt im Juni einer vorläufigen Schätzung zufolge von 2 % auf 1.9 %.

Damit legt sie im Juni den Rückwärtsgang ein. Der Teuerungsanstieg ist allerdings noch nicht beendet. Es ist die Ruhe vor dem Sturm.
 
Die vorübergehende Mehrwertsteuerreduktion in Deutschland im zweiten Halbjahr 2020 schlägt sich ab Jahresmitte deutlich in der Teuerungsrate des gemeinsamen Währungsraums nieder. Dieser Effekt läuft allerdings zum 1. Januar 2022 aus. Im kommenden Jahr ist der Inflationsspuk vorbei.
 
Ein Risikoszenario bleibt allerdings. Die Industrie blickt auf volle Auftragsbücher und der Dienstleistungssektor läuft weitgehend im Normalmass. Jetzt beklagen sich Unternehmen über fehlende Arbeitskräfte.
 
Europaweit suchen Gastwirte händeringend Personal. Aufgrund des langen Lockdowns in der Hotel- und Gaststättenbranche haben sich Beschäftigte oft beruflich umorientiert.

In der Metall- und Elektro-Industrie herrscht schon seit Jahren ein struktureller Fachkräftemangel, der sich aufgrund des guten Auftragsbestands nochmals verschärft. Erwachsen aus dem Personalmangel höhere Löhne und werden die gestiegenen Kosten auf die Produkte umgelegt, könnte die Teuerung auch nachhaltiger zulegen.
 
Die Europäische Zentralbank (EZB) erachtet den gegenwärtigen Inflationsanstieg als temporär. Allerdings rechtfertigt dies allein noch nicht das Fortführen der ultra-expansiven Geldpolitik.
 
Das Notfall-Pandemie-Wertpapierankaufprogramm (PEPP) trägt das Wort "Notfall" in sich. In Anbetracht einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung und fehlender Arbeitskräfte liegt keine akute Notsituation mehr vor. Damit verliert das Programm seine Berechtigung.
 
Die EZB wird deshalb das PEPP planmässig im März 2022 auslaufen lassen. Auf eine Zinserhöhung müssen Sparer aber wohl noch lange Zeit warten. Grundlage dafür wäre eine vollständige Einstellung sämtlicher Ankaufprogramme.

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