Spotanalyse

EZB erhöht das Ankaufvolumen

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der jüngste Renditeanstieg in Staatsanleihen ein Dorn im Auge. Laut EZB-Chefin Christine Lagarde stehe dieser einer Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie entgegen.

Auf Grundlage einer Beurteilung der Finanzierungsbedingungen und der Inflationsaussichten gehe der EZB-Rat davon aus, dass die Ankäufe im Rahmen des PEPP (Pandemie-Notfallankaufprogramm) während des nächsten Quartals deutlich umfangreicher ausfallen würden als während der ersten Monate dieses Jahres, hiess es in der Medienmitteilung der EZB. Das Volumen des PEPP bleibt jedoch mit EUR 1‘850 Mrd. unangetastet.

Wenn die EZB ab dem kommenden Quartal die Anleihekäufe erhöht, dürfte es ihr wohl weniger um den jüngsten Renditeanstieg gehen. Die Rendite der 10jährigen deutschen Bundesanleihe steht gegenüber November gerade einmal um 30 Basispunkte höher. Ein solcher Zinsanstieg wirft selbst Länder, die auf einem hohen Berg von Schulden sitzen, nicht aus der Bahn. Anders in den USA: Die Rendite der 10jährigen Treasuries gingen seit August um rund 100 Basispunkte nach oben.

Vor allem haben sich die Risikoaufschläge der südeuropäischen Staaten gegenüber der deutschen Bundesanleihen kaum nennenswert bewegt. Die Rendite der italienischen Staatanleihe ist mit aktuell 0.583 % noch immer auf einem historischen Tief. Von restriktiven Finanzierungsbedingungen kann also keine Rede sein.

Nein, es muss der EZB hinter vorgehaltener Hand um etwas anderes gehen. Sie fürchtet sich wohl vor einem Renditeanstieg in den USA. Aufgrund einer guten wirtschaftlichen Entwicklung mit Blick auf das zweite Halbjahr könnten in den USA die Renditen durchaus weiter zulegen. Davon könnten sich die Staatstitel der Eurozone nicht abkoppeln. Lagarde wird solch einem Szenario vorbeugen wollen und erhöht vorsorglich das Wertpapierankaufsvolumen.

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