Spotanalyse

Startschuss für Projekt «Digitaler Euro»

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 2 Min
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat das Projekt «Digitaler Euro» in Angriff genommen. Es geht nun um die konkrete Ausgestaltung des digitalen Geldes.

Je mehr Menschen bargeldlos bezahlen, desto mehr muss die EZB selbst umdenken. Gerade die technikaffine junge Generation ist neuen Geldformen offen gegenüber.

Die Zentralbank möchte privaten Anbietern nicht das Feld überlassen. Noch in diesem Jahr soll die an den US-Dollar gekoppelte und von Facebook initiierte Digitalwährung «Diem» in einem Pilotversuch auf den Markt kommen. Mit der Kopplung an den US-Dollar hebt sich Diem auch von Bitcoin & Co. ab. Er soll zu einem alternativen Zahlungsmittel werden. Gerade deshalb wird der Druck auf die Zentralbanken stärker, selbst in diesem Segment tätig zu werden.

Der digitale Euro darf nicht in einen Topf mit den Krypto-Währungen geworfen werden. Mit ihm wäre es Privaten und Unternehmen möglich, ein Konto bei der Zentralbank zu unterhalten, ähnlich denjenigen der Geschäftsbanken.

Das bei der EZB gebuchte Guthaben stünde für bargeldloses Bezahlen bereit. Dies könnte etwa mittels einer Zahlkarte oder eines Smartphones geschehen. Solche Details sind aber noch nicht geklärt.

Letztlich wird also das Bargeld in Form von Münzen und Scheinen in die digitale Welt überführt. Konkret bedeutet dies: Private hätte weiterhin eine Forderung gegenüber der Notenbank und nicht etwa gegenüber einer Geschäftsbank, wie es bei Giroguthaben der Fall ist. Liquiditäts-, Kredit- und Marktrisiko entfallen.

Die EZB tut gut daran, dieses Projekt auf die Gleise zu bringen. Die private Konkurrenz schläft nicht. Der als Zahlungsmittel konzipierte Diem wird vermutlich nicht alleine bleiben. Die europäischen Währungshüter müssen deshalb nicht nur gründlich, sondern auch schnell sein. Die grösste Herausforderung ist es, mit dieser neuen Form des Geldes auf eine breite Akzeptanz zu stossen. Die Funktionsweise muss also einfach sein.

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