Spotanalyse

US-Teuerung auf dem vorläufigen Hoch

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 2 Min
Die Inflationsrate in den USA steigt im April von 2.6 % auf 4.2 %.

Eine Teuerung von 4.2 % sieht auf den ersten Blick erschreckend aus. Allerdings muss sie richtig eingeordnet werden. Im Vorjahresmonat purzelten wegen der Eindämmungsmassnahmen und dem weitgehend Stillstand der Wirtschaft die Preise.

Vor allem die Energiepreise gingen in den Keller. Letztere liegen nun im direkten Jahresvergleich deutlich höher. Das WTI-Öl hat sich pro Fass mehr als verdoppelt, ein Fass der Nordseesorte Brent hat sich seit dem vergangenen Frühjahr gar mehr als verdreifacht. Diese Preissprünge schlagen sich nun in einem entsprechend deutlichen Anstieg der Teuerungsraten nieder.

Da aber bereits im Mai 2020 die Ölpreise wieder anzogen, ist der grösste Teuerungsschub nun bereits schon vorbei. Im Mai und Juni werden die Teuerungsraten zwar noch auf einem Niveau von über 3% bleiben, doch im Juli geht es bereits schon wieder unter diese Marke.

Für Unsicherheit sorgen derzeit die Materialknappheit und die dadurch gestiegenen Erzeugerpreise. An den Märkten geht die Inflationsangst um. Steigende Produzentenpreise bedeuten aber nicht zwangsläufig anziehende Konsumentenpreise.

Der Grund liegt in der unterschiedlichen Zusammensetzung des jeweiligen Warenkorbes. Die Gewichte von Produktgruppen zwischen dem Produzentenpreisindex und dem Konsumentenpreisindex unterscheiden sich erheblich. Darüber hinaus lassen sich die Produktkategorien der Warenkörbe nur bedingt miteinander vergleichen.

Konkret: Ein Anstieg von Halbleiter- oder Holzpreisen schlägt sich bei den Erzeugerpreisen deutlich nieder, während die Konsumentenpreise kaum davon betroffen sind. Neuwagen haben im US-Konsumentenpreisindex (CPI) gerade einmal einen Anteil von 3.7%. Werden Fahrzeuge aufgrund gestiegener Halbleiterpreise teurer, schlägt dies im CPI kaum zu Buche. Im CPI ist die Mietpreisentwicklung mit einem Viertel die entscheidende Grösse.

Zudem werden Konsumgüter gerade in den USA oder auch Europa zu einem hohen Masse importiert. Steigende Produzentenpreise im Inland kommen somit für den Konsumenten kaum zum Tragen. Darüber hinaus hat das Internet zu einer zuvor nie dagewesenen Preistransparenz gesorgt.

Der nur bedingte Zusammenhang zwischen Produzentenpreisen und dem Preis beim Konsumenten unterstreicht, dass die Inflationsrate trotz bestehender Materialknappheiten nahe am Hoch ist. Das heisst allerdings nicht, dass die US-Notenbank Fed tatenlos bleiben wird. Die Fiskalpakete der Regierung unter Joe Biden erfordern die üppigen Fed-Hilfen nicht mehr. Fed-Chef Jerome Powell muss wohl nach den Sommermonaten zurückrudern – ganz unabhängig von der Inflationsentwicklung.

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