Spotanalyse

USA: Die Fed gibt Ausstiegszeichen - Tapering naht

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 3 Min
Den geldpolitischen Schalter umzulegen, ist niemals einfach. Auch dieses Mal nicht. Die US-Notenbank Fed möchte weg von der ultra-expansiven Geldpolitik, wie sie am Mittwoch signalisiert hat.

So richtig wohl ist es den US-Währungshütern nicht mehr in der Haut. Dabei dürften nicht einmal die gegenwärtig hohen Inflationsraten so sehr Sorgen bereiten, sondern vielmehr, was aus der gestiegenen Teuerung über Zeit werden kann. Der Preisanstieg beschränkt sich derzeit auf Güter, deren Preise während der Pandemie deutlich gefallen waren. Werden die gestiegenen Preise weitergereicht, besteht das Risiko, dass es breitflächig zu einem Teuerungsanstieg kommt.
 
Dann besteht auch die Gefahr höherer Löhne. Würden höhere Löhne wiederum auf Produktpreise umgelegt, käme eine Lohn-Preis-Spirale in Gang.

Genau deshalb drosselt die Fed schon bald ihre ultra-expansive Geldpolitik. Im November wird es so weit sein. Dann wird die Fed eine Reduktion der Anleihekäufe beschliessen und in die Tat umsetzen. So viel war am Mittwoch aus den Worten von Fed-Chef Jerome Powell herauszulesen.
 
Der Zeitpunkt für eine etwas restriktivere Geldpolitik ist vermutlich niemals passend. Risiken gibt es immer. Das ist auch dieses Mal der Fall. Die US-Schuldenobergrenze könnte in einen «Government Shutdown» münden, was zu Tumulten an den Finanzmärkten führen könnte. Aber auch die jüngsten Turbulenzen an den chinesischen Aktienmärkten wird die Fed im Blick haben, wenn sie sich über einen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik Gedanken macht.
 
Die Fed verfügt aber über einen gut gefüllten Werkzeugkasten. Dieser erlaubt es, einen goldenen Mittelweg einzuschlagen. Die Fed muss nicht alles über Bord werfen, was in den vergangenen Monaten gut und richtig war.Die US-Währungshüter müssen nicht gleich mit der Zinskeule winken, sondern können zunächst mit ihren Wertpapierkäufen jonglieren. Der Mittelweg heisst gegenwärtig also: eine sanfte Drosselung der monatlichen Wertpapierkäufe. Wird das Kaufvolumen nur leicht reduziert, hat dies nur geringe wirtschaftliche Auswirkungen.
 
Gleichzeitig signalisieren die US-Währungshüter aber ihren Willen zu handeln. Die Fed wird sich damit aus der Affäre ziehen können, dass eine restriktivere Geldpolitik auch von den Finanzmärkten gut aufgenommen wird – dem gut gefüllten Werkzeugkasten sei Dank. Die Fed wird handeln, so viel wurde am Mittwoch jedenfalls deutlich.

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