Spotanalyse

USA: Die Fed möchte aktuell kein zusätzliches Öl ins Feuer giessen

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 3 Min
Die Fed hielt sich mit geldpolitischen Neuadjustierungen gestern zurück. Die Washingtoner Währungshüter gaben allerdings bekannt, dass man den Zielen der Preisstabilität und der maximalen Beschäftigung näher gekommen ist.

Dies ist gleichbedeutend damit, dass auch das sogenannte «Tapering», also eine Reduktion der Wertpapierkäufe, etwas näher rückt. Doch noch dürften einige Monate ins Land ziehen, ehe dann die Fed tatsächlich mit einem Tapering beginnt. Das Jahresende könnte ein möglicher Startpunkt für ein Reduktion der Wertpapierkäufe sein.
 
Für straffere geldpolitische Zügel war die Juli-Sitzung des Offenmarktausschusses noch nicht reif genug. An den Finanzmärkten ist eine gewisse Konjunkturskepsis auszumachen. Daran hat die Fed selbst ihren Anteil. Die Furcht ist gross, das mit einem Stopp der expansiven Geldpolitik der Aufschwung endet. Darüber hinaus drückt die chinesische Notenbank auf die Kreditbremse. Die Wachstumsraten der Kreditvergabe werden auf Geheiss Pekings gedrosselt. Dies weckt Erinnerungen an das Jahr 2018 als China das gleiche tat und damit globale Konjunkturängste auslöste. Fed-Chef Jerome Powell dürfte also auch das Geschehen in Fernost ins Kalkül ziehen.
 
Dabei dürfte die Fed das aktuelle Börsengeschehen in China mit Sorgfalt beobachten. Die regulatorischen Eingriffe im privaten chinesischen Bildungsmarkt bringen den gesamten chinesischen Aktienmarkt derzeit unter Druck. Die Stimmung an den Finanzmärkten ist derzeit also von Nervosität geprägt, da möchte die Fed kein zusätzliches Öl ins Feuer giessen. Die Ausbreitung der Delta-Variante tut ihr übriges. Das Virusgeschehen ist und bleibt ein konjunkturelles Risiko.
 
Man lässt sich in Washington deshalb noch etwas Zeit mit konkreten Massnahmen. Um aber nicht all zu viel Skepsis zu verbreiten, gab es zumindest ein «Ausstiegshäppchen». Die Washingtoner Währungshüter üben sich also einmal mehr im geldpolitischen Spagat. Nicht zu viel Optimismus und gleichzeitig nicht zu viel Pessimismus, lautet das Motto in Washington.
 
Es gibt also eine Reihe von Gründen, warum die Fed aktuell nichts übereilt. Doch innerhalb der Fed scheint sich immer mehr die Erkenntnis durchzusetzen, dass selbst bei zukünftig wieder geringeren Wachstumsraten, eine ultra-expansive Geldpolitik zu weit geht. Die Rezessionswahrscheinlichkeiten sind gering und die Weichen sind weiterhin auf Erholung gestellt. Es sollte auch bedacht werden, dass die Wertpapierkäufe zu einer rekordhohen Überschussliquidität im US-Bankensektor führt. Die Reverse-Repo-Geschäfte der Fed kratzen an der Marke von einer Billion. Eine Rückführung der Anleihekäufe ist also auch unter diesem Blickwinkel durchaus angebracht. Die Banken schwimmen geradezu in Liquidität.
 
Auch wenn sich die Fed heute in Zurückhaltung übt, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Fed könnte in den kommenden Monaten den Weg zum Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik ebnen – so viel kann aus der gestrigen Sitzung des Offenmarktausschusses herausgelesen werden. Das aktuelle Umfeld war den US-Währungshütern derzeit zu heiss, um mit konkreten Massnahmen die geldpolitische Wende einzuleiten.

#Spotanalyse
 ·  Spotanalyse
Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex - Materialmangel wird zum grossen Risiko
Mehr dazu
 ·  Spotanalyse
USA: Die Fed gibt Ausstiegszeichen - Tapering naht
Mehr dazu
 ·  Spotanalyse
USA: Inflationsrate sinkt leicht
Mehr dazu